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Objekte der Zauberkraft auf Bali – Teil 2 v. 8
von Dr. Friedrich Demolsky

Der balinesische Kris – Herstellung der Ritualwaffe*)

Reines Eisen ist weit weniger hart und widerstandsfaehig als Stahl und daher fuer die Herstellung eines Kris ungeeignet. Das Rohmaterial zur Gewinnung des Eisens ist das Erz, welches Eisen in Form von Eisenoxyd und anderen Verunreinigungen enthaelt. Die erste Aufgabe des Schmiedes besteht darin, die im Erz enthaltenen Verunreinigungen sowie den Sauerstoff zu beseitigen.

Dadurch gewinnt er das sog. Schmiedeeisen, das ein taugliches Ausgangsmaeterial fuer den weiteren Bearbeitungsprozess darstellt.

Das Schmiedeeisen selbst ist jedoch viel zu weich, um daraus einen Kris herzustellen. Die magische Kraft, die man den Schmieden zuschreibt, basiert zum Teil auf ihrer Kenntnis des Transformationspro-zesses, durch den weiches Schmiedeeisen zu hartem Stahl wird. Im Zug dieser Umwandlung erhaelt das Endprodukt zwei ganz wesentliche Eigenschaften, die im Ausgangsmaterial nicht vorhanden sind: Haerte und Zaehigkeit.

Stahl wird gewonnen, indem man dem Ausgangsmaterial kleine Mengen an Mineralien und Kohlenstoff beimischt. Heute werden Molybden und Chrom dem Schmiedeeisen beigemengt, um ihm Haerte zu verleihen, und Kupfer, um die Rostbildung zu reduzieren.

Kohlenstoff ist das wichtigtste Element zur Stahlerzeugung. Dieser muss aber im exakt richtigen Verhaeltnis dem Schmiedeeisen beigemischt werden. Durch eine winzige Abweichung im Promill-Bereich, wuerde ein Stahl erzeugt, der entweder zu bruechig oder zu weich ist, um daraus einen magischen Kris zu formen.

Balinesische Schmiede verwenden den Schmelzprozess zur Stahlerzeugung. Dabei schmelzen sie das Schmiedeeisen ein und lassen dessen Verunreinigungen als Gase entweichen. Anschliessend schoepften sie bestehende Verunreinigungen ab, die sich im oberen Teil der Schmelzmasse angesammelt haben. Dadurch erhalten sie einen Stahl, der rein genug ist, um ihn am Amboss zu bearbeitet. Dieser Stahl wird haendisch durch einen aufwendigen Prozess des Haemmerns und Erhitzens zu einem Kris geformt, wobei letzteres dem Metall auch eine Struktur von Staerke und Zaehigkeit verleiht.

Die besten traditionellen Krise sind aus Damaskus Stahl gefertigt. Dazu wird der Stahl in bandartige Schichten gehaemmert und dann zum Gluehen gebracht bis die Schichten ineinander verschmelzen. Anschliessend werden sie neuerlich mit dem Hammer bearbeitet, um die Festigkeit der Verschmelzung zu gewaehrleisten. Damaskus Stahl weist sichtbare Schichten auf, die vom Schaft bis zur Spitze des Kris verlaufen. Je mehr Schichten der Stahl aufweist, desto staerker ist die Klinge des daraus geformten Kris.

Wenn ein Schmied die Schichten alternierend aus einer Kohlenstoff- und Nickel-Legierung herstellt, dann koennen maserartigen Muster der Schichten unterschieden werden. Eine Nickel-Legierung produziert einen Stahl von hellerer Farbe, was die aus dem Verschmelzungsprozess entstandenen Muster sichtbar macht. Diese Muster auf der Klinge des Kris werden auf Bali mit “Pamor’ bezeichnet.

*) Als Quelle zu diesem Artikel diente teilweise die Broschuere des Pande I Wayan Ritug, Batuan, Bali. Diese wurde dem Autor anlaesslich des Erwerbes seines ersten Kris vom Genannten ueberreicht. Pande Ritug gestattete dem Autor daraus zu zitieren.

 

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